Enneagramm der Persönlichkeiten

Über die Jahrhunderte und Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hinweg wurde immer wieder versucht, eine Ordnung zu finden für die Erscheinungsformen des menschlichen Temperaments und Charakters. Denn schon damals fiel auf, dass Menschen trotz der Einzigartigkeit ihrer Person etliche markante Ähnlichkeiten in der Art ihres Auftretens haben. So entstanden immer wieder Charakter- lehren oder Typologien, die diese Ähnlichkeiten zu beschreiben und zu erkunden suchten.

 

Das Enneagramm ist eine solche Persönlichkeitstypologie, ein Modell, das sehr dazu beiträgt, sich und seine Mitmenschen besser verstehen zu lernen. Nur wer sich selbst versteht, kann andere Menschen verstehen und die Konflikte, die zwischenmenschliche Beziehungen immer aufwerfen.

 

Es sind neun verschiedene Persönlichkeitsstile bzw. Persönlichkeitsmuster, mit denen das Enneagramm die unterschiedlichen Weisen des menschlichen Wahrnehmens, Fühlens, Denkens und Handelns beschreibt. Die Individualität der einzelnen Person ist mit diesen Mustern verwoben.
Sie enthalten sowohl starke, positive Eigenschaften als auch schwierige, hinderliche. Letztere blockieren in der Beziehung zu anderen Menschen und am erfolgreichen Vorankommen im Leben. Sie verdecken die Stärken und wiederholen sich immer wieder, laufen fast automatisch ab. Bemerken können wir sie höchstens dann, wenn wir an uns immer wieder dieselbe Verhaltensweise beobachten, obwohl wir eigentlich ganz anders handeln wollten.
Eine dazu passende Frage ist zum Beispiel: “Warum habe ich schon wieder so reagiert? Es tut mir leid. Das wollte ich doch gar nicht.“ Oder wenn wir von anderen zu hören bekommen: „Das ist mal wieder typisch für dich.“ Auch wenn Menschen übereinander reden, hört man Sätze wie: “Das ist immer das Gleiche mit ihm/ihr. Sie oder er kann eben nicht anders.“

 

Eine charakterliche Grundveranlagung bringt jeder Mensch bei der Geburt mit. Entscheidend geprägt werden die Muster jedoch in der frühen Kindheit und sind Reaktionen auf Erziehungseinflüsse von den Eltern, anderen Erziehungsberechtigten und Autoritätspersonen des frühen Erwachsenenlebens. Auch
das Verhalten von Freunden in der Kindheit kann dazu beitragen.
Viele dieser Reaktionsmuster be-
nötigen wir als Erwachsene jedoch nicht mehr, da wir jetzt selbst über unser Leben bestimmen können. Dennoch sind sie fest in uns verwurzelt. Das verursacht dann Blockaden im freien Fluss des Lebens.

 

Die Arbeit mit dem Enneagramm ermöglicht es, diese Muster aufzuspüren, um sie dann verändern zu können. Die Stärken und die Individualität sollen herausgearbeitet und von den Fixierungen befreit werden. Somit kann das Leben entspannter und facettenreicher gestaltet werden. In der Kommunikation mit den Mitmenschen ist es dadurch möglich, so manches Missverständnis auszuräumen oder gleich im Vorfeld zu vermeiden.

Besonders hilfreich sind Enneagramm-Kenntnisse in der Paarbeziehung, wenn jeder sein eigenes Muster kennt und das des Anderen. Dadurch können typisch partnerschaftliche Konflikte besser entschärft und ihnen vorgebaut werden. Der Umgang miteinander wird lockerer – ja sogar humorvoller – und persönliche Angriffe werden weniger.

 

:: Keines der neun Muster ist besser oder schlechter als das andere. ::

 

Die Befürchtung, der Einzelne würde durch das Enneagramm in eine „Schublade“ gesteckt, ist unbe-
gründet. Es zeigt uns lediglich die Blockierungen und die Möglichkeiten, wie wir diese loslassen bzw. transformieren können. So holt das Enneagramm uns aus „Schubladen“ heraus, in denen wir durch
die Fixierungen stecken.

 

Die Ursprünge des Enneagramms stammen aus dem weit gefassten Bereich alter Weisheitslehren, sodass es auch unter spirituellen Gesichtspunkten gedeutet werden kann. Dennoch ist es in erster Linie ein rein psychologisches Modell, und ist vergleichbar mit den Persönlichkeitsbildern, wie sie in der wissenschaftlichen Psychologie (ICD und DSM) definiert sind.

Unter dem Menüpunkt 'Die neun Enneagramm-Muster' ist eine Kurzdarstellung der neun Persönlichkeitsstile zu finden.

 

Das Enneagramm erfasst sehr viele Schichten der neun beschriebenen Persönlichkeitsstile. Dadurch sind umfassende positive Veränderungen möglich.

 

:: Enneagramm-Kenntnisse können im Selbststudium durch entsprechende Literatur aneignet werden. Tiefgreifende Erfahrungen und ein gutes Gespür für die einzelnen Typen ist durch den Austausch mit anderen in der Gruppe gegeben unter Leitung eines erfahrenen Enneagramm-Kenners.

:: Nicht selten sind die Fixierungen im eigenen Muster sehr massiv und störend im Lebensablauf, sodass Einzelstunden im Rahmen der Persönlichkeits-Arbeit ratsam sind. Hier kann konzentriert und in Bezug auf den individuellen Lebensrahmen an dem Erkennen und Auflösen der Blockaden gearbeitet werden.

 


 

:: Ich biete Schulungen für Einzelpersonen, Paare und Gruppen.

 

Buchempfehlungen zum Selbststudium und zur Begleitung der Gruppenarbeit:
1) Don Richard Riso, Russ Hudson Die Weisheit des Enneagramms – Mosaik bei Goldmann
2) Uwe Böschemeyer Du bist viel mehr: Wie wir werden, was wir sein könnten.
Ecowin Verlag
3) Helen Palmer u. Rita Höner – Das Enneagramm: Sich selbst und andere verstehen lernen –
Droemer Knaur
4) Richard Rohr, Andreas Ebert -Das Enneagramm – Neun Gesichter der Seele
Claudius-Verlag
5) Jo von Haecker -Enneagramm. Die neun Wege zu einem besseren Selbstverständnis
(Kurzeinführung in das Enneagramm) – Mosaik bei Goldmann
6) Das Enneagramm unserer Beziehungen – Maria-Anne Gallen /Hans Neidhardt -rororo

7) Angelika Winklhofer und Christian Meyer - Neun Farben der Stille - Verlag Zeit und Raum
     (für diejenigen, die sich mit dem Enneagramm schon etwas auskennen; mit vielen
     protokollierten Erfahrungsberichten, die helfen die jeweiligen Typen besser zu verstehen).